BIOGRAFIE
Reto Bieri gehört zu den eigenständigsten und facettenreichsten Musikerpersönlichkeiten unserer Zeit. Als Klarinettist, Kammermusiker, Dirigent, künstlerischer Leiter und Programmgestalter entzieht er sich konsequent dem Erwartbaren. Seine Interpretationen zeichnen sich durch eine poetische Klangvorstellung, expressive Tiefe und gedankliche Wachheit aus. Musik denkt Bieri stets als Sprache, als Erzählung – oft jenseits klassischer Konzertformen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt ihn einen „begnadeten Programmmacher“, dessen Ideen sich in „musikalisches Gold“ verwandeln.
Ab 2026 übernimmt Bieri die künstlerische Leitung der Pfingstkonzerte in der Kartause Ittingen, in Nachfolge von Isabelle Faust. Das renommierte Festival steht für intensive musikalische Erlebnisse in klösterlicher Stille, für sorgfältig kuratierte Programme zwischen Tradition und Gegenwart. Ab der Saison 2026/27 wird er zudem Artist in Residence beim Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim sowie bei der Österreichisch-Ungarischen Haydn Philharmonie sein. Als Solist, Dirigent und Programmgestalter setzt er dort zentrale Impulse – mit Projekten, die klassische Werke mit neuen Perspektiven verweben.
Seine Programme vereinen Alte Musik mit Zeitgenössischem, Volksmusik mit Avantgarde, Klang mit Stille, Konzert mit Performance. In seinen inszenierten Konzertformaten hinterfragt er Konventionen, durchbricht Routinen und öffnet dem Publikum neue Zugänge zum Konzert. Dabei ist Bieris künstlerisches Arbeiten weniger von Suche als von Warten geprägt – vom geduldigen Lauschen, vom Innehalten, bis sich etwas zeigt, etwas in der Luft liegt, das abgeholt werden will. Seine Projekte entstehen aus diesem horchenden Empfang, nie als Plan.
Eine prägende künstlerische Partnerschaft verbindet ihn mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja, mit der er außergewöhnliche Projekte realisiert hat – darunter die komische Oper VERGEIGT am Theater Basel (mit Herbert Fritsch), PHANTASMAGORIEN für die Elbphilharmonie Hamburg sowie den Film URSONATE nach Kurt Schwitters. Gemeinsam mit Kopatchinskaja und der Pianistin Polina Leschenko erschien jüngst das Album TAKE 3 bei Alpha Classics.
Seine Aufnahmen erscheinen unter anderem beim Münchener Label ECM, darunter das gefeierte Album quasi morendo mit dem finnischen Streichquartett Meta4. Seine Konzerttätigkeit führte ihn in renommierte Häuser wie die Elbphilharmonie Hamburg, das Southbank Centre und die Wigmore Hall in London, das Auditorio Nacional in Madrid, das Konzerthaus Wien und Berlin, das Concertgebouw Amsterdam, die Philharmonie Essen, das KKL Luzern sowie zahlreiche internationale Festivals.
Geboren in Zug, geprägt von traditioneller Volksmusik, war sein Weg zur internationalen Bühne alles andere als vorgezeichnet. Ursprünglich als Grundschullehrer ausgebildet, studierte er später an den Musikhochschulen Basel und Zürich sowie an der Juilliard School in New York. Sein Denken und Musizieren wurde geprägt von außergewöhnlichen Persönlichkeiten: von György Kurtág und George Crumb über Nikolaus Harnoncourt und Heinz Holliger bis hin zu Clown Dimitri, Pater Werner Hegglin und dem Schriftsteller Peter Bichsel.
Von 2013 bis 2018 war Bieri Intendant des DAVOS FESTIVAL – young artists in concert. Er unterrichtet als Professor für Kammermusik an der Hochschule für Musik und Theater München sowie als Dozent an der European Chamber Music Academy (ECMA). Bieri bezeichnet sich selbst als „Berufs-Atmer“ und „Berufs-Träumer“ – und meint damit mehr als poetische Metaphern. Seine künstlerische Haltung speist sich aus Skepsis gegenüber marktgetriebener Effizienzlogik, aus Lust an Umwegen und aus dem Glauben an Musik als Erkenntnismöglichkeit. In seinen Worten: „Kunst ist nicht marktkonform. Für das Träumen gibt es keinen Markt. Für das Atmen auch nicht.“ Mit seinem Werk widersetzt er sich der schnellen Verwertbarkeit. Stattdessen öffnet er Räume – für das Unerwartete, das Fragile, das Menschliche.
2023 wurde Reto Bieri mit dem Kulturpreis des Kantons Zug ausgezeichnet – einem Ort, den er als Ursprung seiner musikalischen Reise beschreibt: „Ich war immer ein Getriebener, ein Sehnsüchtler. Und vielleicht ist genau diese ungestillte Sehnsucht nach Klang, Heimat und Transformation der rote Faden meines künstlerischen Lebens.“
Stand: September 2025
Bitte verwenden Sie keine Biografie älteren Datums. Jegliche Änderungen bedürfen der vorherigen Genehmigung von Grunau & Paulus Music Management.Zwischen Stille und Entstehen von Klang – der Klarinettist Reto Bieri
Patricia Kopatchinskaja & Reto Bieri: Phantasmagoria | Hamburg International Music Festival
Patricia Kopatchinskaja & Reto Bieri - Milhaud Jeu
Regamey Quintett & Schoenberg Streichtrio
Kritische Phasen.
Arnold Schönberg war 72 Jahre alt, als er sein Streichtrio op. 45 komponierte, zwei Jahre nach einem schweren Herzinfarkt. Er vertraute Thomas Mann seinerzeit an, dass das Trio seinen physischen und psychischen Zustand in dieser kritischen Phase widerspiegle. Der heute leider wenig bekannte Schweizer Komponist, Pianist, Musikkritiker und Schriftsteller Constantin Regamey war polnischer Abstammung. Er schloss sich 1942 dem polnischen Widerstand gegen die Nazis an und schrieb in dieser schweren Zeit sein Quintett für Klarinette, Fagott, Violine, Cello und Klavier.
Künstler: Ilya Gringolts, Lawrence Power, Nicolas Altstaedt, Reto Bieri, Bram van Sambeek, Alexander Lonquich
Label: Alpha
VÖ: 11.04.2023
Patricia Kopatchinskaja - Schoenberg: Pierrot Lunaire
Zart und grotesk.
Arnold Schönbergs 1912 entstandener Pierrot Lunaire besteht aus 21 kleinen Melodramen für Stimme und fünf Instrumente nach Gedichten von Albert Giraud. Schönberg wollte, dass das Stück ironisch, zart und grotesk zugleich ist, ganz in der Art von Kabarettliedern. Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja, die sich gelegentlich auch als Schauspielerin hervortut, hat das Werk auf vielen Bühnen der Welt gespielt, darunter in Deutschland und den USA und legt hier ihren Pierrot vor. Schönbergs Fantasie op. 47, die Klavierstücke op. 19 und Bearbeitungen von Johann Strauss’ Kaiser-Walzer, Kreislers Kleiner Wiener Marsch sowie Weberns Vier Stücke für Violine & Klavier op. 7 ergänzen das Programm.
Mit weiteren Werken von: J. Strauss II, A. Webern, F. Kreisler.
Künstler: Patricia Kopatchinskaja (Violine & Sprechgesang), Meesun Hong (Violine & Viola), Julia Gallego (Flöte), Reto Bieri (Klarinette), Marko Milenkovic (Viola), Thomas Kaufmann (Cello), Joonas Ahonen (Klavier)
Label: Alpha
VÖ: 26.03.2021
Reto Bieri & Meta4 - Quasi morendo
Reto Bieris 2011 erschienenes Soloalbum Contrechant wurde seinerzeit für den schönen Ton des Schweizer Klarinettisten und seine ungewöhnliche Ausdruckskraft im Zusammenwirken mit erweiterten Instrumentaltechniken allseits gelobt. Quasi Morendo beginnt mit einer neuen Auseinandersetzung mit einem der Stücke von Contrechant, Salvatore Sciarrinos »Let Me Die Before I Wake« (1982), mit seiner "flüsterleisen Klangwelt aus Harmonik, Multiphonik und Tremolandos" (The Guardian). Bieri wird dann vom finnischen Streichquartett Meta4 bei einer tiefgründigen Interpretation von Johannes Brahms' Quintett op 115 (1891) begleitet.
Inspiriert von Brahms' Freundschaft mit dem Klarinettisten Richard Mühlfeld klingt dieses Quintett freier und idyllischer als die frühere Kammermusik des Komponisten, ist aber zugleich eines seiner am sorgfältigsten konstruierten Werke. Das Album schließt mit Gérard Pessons »Nebenstück« (1998), einem geisterhaften Neu-Arrangement von Brahms' Ballade, op. 10 Nr. 4.
Label: ECM
VÖ: 10.05.2019
Patricia Kopatchinskaja - Take Two
Label: Alpha
VÖ: 02.10.2015
Galina Ustvolskaya
Die einzigartige Expressivität im Werk von Galina Ustvolskaja (1919-2006) spricht den Hörer mit großer Direktheit und nuancierten Klangschichtungen an, wobei die kraftvolle rhythmische Stringenz der Musik Zeugnis von der Unnachgiebigkeit in der Musik der Komponistin ablegt.
Sich in diese Klangwelt zu begeben, erfordert eine besondere Form des Engagements und der Intensität. Patricia Kopatchinskaja und Markus Hinterhäuser spielen die Sonate (1952) und das Duett (1964) für Violine und Klavier, und zusammen mit Reto Bieri, das Trio (1949) für Klarinette (Violine) und Klavier.
Label: ECM
VÖ: 12.09.2014
Contrechant: Music for Solo Clarinet
Reto Bieri wurde in Zug, Schweiz, geboren und wuchs unter dem Einfluss der Schweizer Volksmusik auf, bevor er an der New Yorker Juilliard School studierte. Neben dem Standardrepertoire für sein Instrument gilt sein besonderes Interesse der zeitgenössischen Musik, und die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponist:innen ist ein wichtiger Teil seiner Arbeit: Fast alle hier zu hörenden Stücke sind in Zusammenarbeit mit den Komponist:innen entstanden. Das Ergebnis ist ein wirklich herausragendes Album mit neuer Klarinettenmusik, das für Spieler:innen und Hörer:innen gleichermaßen ein Referenzwerk sein wird. Das Repertoire umfasst Luciano Berios "Lied", Heinz Holligers "Contrechant" und "Rechant", Elliott Carters "Gra", Salvatore Sciarrinos "Let me die before I wake", Péter Eötvös' "Derwischtanz" und Gergely Vajdas "Lightshadow-trembling".
Label: ECM
VÖ: 30.09.2011
Schubert - Music for Clarinet & Piano
Annäherungen an Schubert...der Klarinettist Bieri, ausgebildet an der Baseler Musikhochschule und an der Juilliard School of Music in New York, fühlt sich zu Schubert ganz besonders hingezogen. Er bewundert dessen Einfachheit, das natürliche Dahinfließen, die unendlichen Melodien, die bodenlose Bodenständigkeit in seinen Tänzen, seine »Poesie der Schüchternheit«. Und so transkribierte er die drei »Sonaten für Klavier mit Violinbegleitung« aus Schuberts Frühwerk sowie einige der deutschen Tänze für Klarinette und Klavier.
Künstler: Reto Bieri, Gerard Wyss
Label: Claves
VÖ: 12.05.2008







